Ratgeber · Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten
Kurz gesagt: Husten im Winter hat selten nur eine Ursache. Meist kommen mehrere Belastungen zusammen: mehr Stunden in der Box, Heu als Hauptfutter, geschlossene Fenster, Ammoniak aus der Einstreu und Staub in der Reithalle. Am meisten erreichen Sie über die Luft, die Ihr Pferd täglich einatmet, und über einen sauberen Ablauf nach der Arbeit, damit es nicht nass auskühlt. Hält der Husten an, gehört er in die Hände des Tierarztes.
Sobald die Tage kürzer werden, hört man in vielen Ställen das vertraute Geräusch: ein Pferd hustet beim Antraben, ein anderes beim Fressen. Husten ist kein unvermeidlicher Teil des Winters, sondern meist die Folge von Bedingungen, die sich ändern lassen.
Warum gerade der Winter kritisch ist
Im Sommer steht das Pferd viele Stunden draußen und atmet staubarme Luft. Im Winter kehrt sich das um: mehr Boxenzeit, Heu statt Gras, geschlossene Fenster, Training in der Halle. Dazu kommt die Infektsaison, besonders dort, wo Pferde reisen oder neu in den Bestand kommen.
Die häufigsten Ursachen
1. Staub und Schimmelsporen aus dem Heu. Die größte Belastung sitzt direkt vor der Nase. Beim Fressen wirbelt das Pferd feinste Partikel auf, die klein genug sind, um bis in die tiefen Atemwege zu gelangen. Auch optisch einwandfreies Heu kann stark stauben.
2. Ammoniak aus Einstreu und Mist. Das Gas reizt die Schleimhäute und sammelt sich in Bodennähe, also genau dort, wo ein liegendes oder fressendes Pferd atmet. Ein beißender Geruch beim Betreten des Stalls ist bereits ein Warnsignal.
3. Zu wenig Luftaustausch. Geschlossene Ställe sammeln Feuchtigkeit, Gase, Staub und Keime. Pferde vertragen Kälte gut, schlechte Luft dagegen nicht.
4. Staub in der Reithalle. Diese Quelle wird oft übersehen. Bei trockenem Boden steigt die Belastung mit jedem Galoppsprung, und unter Belastung atmet das Pferd ein Vielfaches der Ruhemenge ein. Reithallenstaub ist wissenschaftlich untersucht, unter anderem von Lühe und Kollegen (2017) im Equine Veterinary Journal.
5. Infektionen. Virale und bakterielle Atemwegsinfekte treten gehäuft auf, wenn Pferde zusammenkommen oder reisen. Typisch sind Husten im ganzen Bestand, Nasenausfluss, manchmal Fieber. Hier ist immer der Tierarzt gefragt.
6. Empfindliche Einzelpferde. Manche Pferde reagieren deutlich stärker auf Staub als ihre Stallkollegen und husten bereits bei Bedingungen, die andere problemlos vertragen.
7. Kalte Luft bei Belastung. Unter Belastung atmet das Pferd durch das Maul, also an der wärmenden Nase vorbei. Es gibt Hinweise darauf, dass kalte, trockene Luft dabei die Bronchien verengen und die Schleimhäute austrocknen kann.
Was Studien zur Stallluft zeigen
- Lüftung wirkt, aber nicht auf alles (Wålinder et al., 2010): Nach dem Einbau einer mechanischen Lüftung sank der Ammoniakgehalt von 3.200 auf 1.330 µg/m³, das Pferdeallergen in der Luft von 5.170 auf 790 U/m³. Bei den Pferden war weniger Schleim in den unteren Atemwegen nachweisbar. Der Gesamtstaub blieb dagegen praktisch unverändert.
- Wässern bringt am meisten (Blundell et al., 2012): Schon 30 Minuten Einweichen senkten die Zahl der lungengängigen Partikel im Heu um rund 90 %.
- Aber nicht zu lange (Longland et al., 2011): Nach 10 Minuten stieg die Bakterienbelastung um etwa 50 %, nach 9 Stunden um rund 500 %. Zusätzlich werden Mineralstoffe ausgewaschen.
Die praktische Mitte: 30 bis 60 Minuten wässern, abtropfen lassen, zeitnah verfüttern. Wer dauerhaft wässert, sollte die Mineralstoffversorgung im Blick behalten.
Acht Maßnahmen für bessere Luft
- Heu wässern oder bedampfen. Bedampfen reduziert zusätzlich Keime, erfordert aber ein Gerät.
- Heu vom Boden füttern statt aus hoch hängenden Netzen, damit Sekret aus den Atemwegen ablaufen kann.
- Staubarme Einstreu wählen und täglich konsequent abmisten.
- Pferde beim Misten und Einstreuen aus dem Stall nehmen. In dieser halben Stunde ist die Belastung am höchsten.
- Lüften, auch im Winter. Zugluft vermeiden, aber nicht dauerhaft alles schließen.
- Hallenboden wässern und regelmäßig pflegen.
- So viel Auslauf und Weide wie möglich.
- Heuqualität prüfen. Muffiger Geruch, graue Stellen oder starkes Stauben sind Ausschlusskriterien.
Arbeiten im Winter: Schwitzen, Abkühlen, Decken
Ist Schwitzen selbst ein Auslöser für Husten? Hier lohnt sich Ehrlichkeit: Dass ein ausgekühltes Pferd davon Husten bekommt, ist wissenschaftlich nicht belegt. Husten entsteht durch Erreger oder durch gereizte Atemwege, nicht durch nasses Fell.
Zwei Punkte sind dagegen gut beschrieben. Erstens isoliert nasses Fell nicht mehr: Für die untere kritische Temperatur werden je nach Anpassung und Fell Werte zwischen etwa 5 °C und minus 15 °C genannt, und Nässe und Wind verschieben diese Grenze deutlich nach oben. Ein durchgeschwitztes Pferd in der zugigen Stallgasse steht also unter echtem Kältestress. Zweitens kann kalte Luft bei Belastung die Atemwege reizen. Beides ist vermeidbar.
Schwitzen begrenzen:
- Intensität an die Jahreszeit anpassen, lieber lange und ruhig als kurz und scharf.
- 10 bis 15 Minuten Schritt zum Aufwärmen, und am Ende lang auslaufen lassen. Wer die letzte Viertelstunde im Schritt reitet, hat oft ein fast trockenes Pferd.
- Bei Pferden, die regelmäßig gearbeitet werden und stark schwitzen, ist eine Schur sinnvoll. Geschorene Pferde trocknen schneller, brauchen dann aber eine passende Decke.
Wenn das Pferd doch nass ist:
- Abschwitzdecke auflegen, solange das Pferd warm ist. Fleece oder Funktionsgewebe transportiert Feuchtigkeit nach außen, dicke Baumwolle saugt sich voll.
- In Bewegung bleiben. Schritt führen oder reiten, denn die Muskulatur produziert weiter Wärme.
- Nasse Stellen trocken reiben, vor allem Sattellage und Brust, mit einem Handtuch oder Abschwitztuch.
- Klamme Decke wechseln. Eine nasse Abschwitzdecke kühlt aus, statt zu wärmen. Das wird am häufigsten vergessen.
- Zugluft meiden und erst in die Box oder auf die Weide, wenn Hals, Brust und die Stelle unter der Decke trocken sind.
Decken ersetzen die Isolierung, die durch Schur oder nasses Fell fehlt. Sinnvoll sind sie bei geschorenen, alten oder dünnhäutigen Pferden und bei nasskaltem Wind. Ein gesundes Pferd mit vollem Winterfell braucht in der Regel keine.
Wann Sie den Tierarzt rufen sollten
- Der Husten hält länger als wenige Tage an oder kehrt immer wieder.
- Es tritt Nasenausfluss auf, besonders gelblicher oder einseitiger.
- Das Pferd hat Fieber oder wirkt matt.
- Die Atmung in Ruhe ist angestrengt.
- Das Pferd hustet unter Belastung oder ermüdet schneller als sonst.
- Mehrere Pferde im Stall husten gleichzeitig.
Häufige Fragen
Mein Pferd hustet nur zu Beginn der Arbeit. Ist das harmlos?
Ein paar Hustenstöße beim Antraben kommen vor. Wiederholt sich das über Tage oder kommt Nasenausfluss dazu, sollten Sie es abklären lassen.
Darf ich mein Pferd im Winter schwitzen lassen?
Ja, Bewegung ist gut für Atemwege und Kreislauf. Entscheidend ist, was danach passiert: Abschwitzdecke, Bewegung, trocken reiben und erst in die Box, wenn das Fell trocken ist.
Ab welcher Temperatur sollte ich auf Arbeit verzichten?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Gesunde Pferde arbeiten auch bei leichtem Frost problemlos, wenn Sie lange aufwärmen und ruhig auslaufen. Bei strengem Frost, Wind oder Eisregen kürzen Sie die Einheit und verzichten auf schnelle Tempi.
Hilft Inhalieren?
Feuchte Luft befeuchtet die Schleimhäute und erleichtert den Abtransport von Sekret. Ob und womit inhaliert werden sollte, klären Sie am besten mit Ihrem Tierarzt.
Mein Pferd steht im Offenstall und hustet trotzdem.
Auch im Offenstall wird Heu gefressen, und die Raufe ist dort oft der staubigste Ort. Prüfen Sie Heuqualität, Fütterungsform und die Belastung in der Reithalle.
Über den Autor
Silvester Rossmann ist gelernter Landwirt und seit knapp 30 Jahren in der pharmazeutischen Industrie tätig. Dort hat er gelernt, worauf es ankommt: Wirksamkeit, Qualität, Sicherheit und die Relevanz von Studien. Als Inhaber der slyco GmbH lässt er dieses Wissen aus Tierwirtschaft und Pharma in die Produkte von VitPet+ einfließen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Wenn Ihr Pferd hustet oder andere Beschwerden zeigt, wenden Sie sich bitte an Ihren Tierarzt.
Quellen:
Wålinder R. et al. (2010): Installation of mechanical ventilation in a horse stable: effects on air quality and human and equine airways. Environmental Health and Preventive Medicine.
Lühe T. et al. (2017): Factors associated with dust dispersed in the air of indoor riding arenas. Equine Veterinary Journal.
Blundell E. et al. (2012) und Longland A. C. et al. (2011): Wässern von Heu, lungengängige Partikel und Keimgehalt (zitiert nach Mad Barn).
Kentucky Equine Research: Lower Critical Temperature for Horses.
Lascola K. M. (2022): How Cold Air Affects Equine Airways. The Horse.